Umbau darf denkmalgeschütztes Ensemble nicht zerstören

14. März 2019

Ein Nachbar kann sich gegen eine denkmalrechtliche Umbaugenehmigung nur wehren, wenn der Denkmalwert, den das Gebäude für ein Ensemble hat, so beeinträchtigt wird, dass es als Ensemble nicht mehr wahrnehmbar ist. (OVG Hamburg, Beschluss vom 2. Mai 2018, Az. 3 Bs 39/18)

DER FALL
Die Gebäude des Antragstellers und der Bauherrin sind Teil eines denkmalgeschützten Ensembles. Die Bauherrin erhielt für den Umbau ihres Gebäudes eine denkmalrechtliche Genehmigung, gegen die der Antragsteller Widerspruch einlegte. Im einstweiligen Rechtsschutzverfahren wehrte er sich unter anderem mit dem Argument gegen die Genehmigung, das Bauensemble werde durch den Umbau im Sinne von § 8 Denkmalschutzgesetz (DSchG) wesentlich beeinträchtigt. Das Denkmalamt habe die architekturgeschichtliche Bedeutung des Ensembles verkannt, das von einem berühmten Architekten entworfen worden sei. Das OVG wies den Antrag zurück.

DIE FOLGEN
Soll ein Ensemble unter Denkmalschutz gestellt werden, weil es ein berühmter Architekt entworfen hat, dann muss es im Werk des Architekten eine herausgehobene Stellung einnehmen, so das OVG. Dass ein Ensemble erhalten wird, liegt auch im öffentlichen Interesse, wonach charakteristische Besonderheiten des Stadtbilds bewahrt werden sollen. Die Maßstäbe für eine stadtbildprägende Bedeutung sind in § 4 Abs. 2 DSchG definiert. Demnach ist ein Baudenkmal eine bauliche Anlage oder ein Teil davon, deren Erhalt „wegen der geschichtlichen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Bedeutung oder zur Bewahrung charakteristischer Eigenheiten des Stadtbilds im öffentlichen Interesse liegt“. Eine eigene Kategorie der „architektonischen Bedeutung“ existiert hier nicht, es ist immer ein historischer Kontext nötig. Wirken sich Veränderungen in der Umgebung eines Gebäudes, das Teil eines Ensembles ist, nachteilig darauf aus, kommt es entscheidend darauf an, ob der Beitrag, den gerade diese bauliche Anlage zum Ensemble leistet, so stark beeinträchtigt wird, dass es wesentlich auf das Ensemble „durchschlägt“. Das ist dann der Fall, wenn das Objekt als solches gar nicht mehr oder nur stark eingeschränkt wahrnehmbar ist oder wenn das Ensemble unterbrochen wird.

WAS IST ZU TUN?
Bei der Planung von Vorhaben wie Umbauten sollten Bauherren in einem ersten Schritt immer prüfen, ob die bauliche Anlage denkmalgeschützt ist, möglicherweise auch nur als Teil eines Ensembles. Anhand einer Akteneinsicht kann die Grundlage für den Denkmalschutz ermittelt werden. Dann muss eine denkmalrechtliche Genehmigung eingeholt werden. Dies gilt vor allem, wenn das Bauvorhaben im vereinfachten baurechtlichen Genehmigungsverfahren umgesetzt werden soll. Wollen sich Nachbarn gegen den Umbau eines denkmalgeschützten Baus zur Wehr setzen, genügt der Hinweis nicht, das Gebäude sei von einem bekannten Architekten entworfen.

(Quelle: Immobilien Zeitung 7.3.2019, Ausgabe 10/2019)