Zinsen auf Wechselkursverluste sind keine Werbungskosten

02. Oktober 2019

Schuldzinsen, mit denen nach einer Umschuldung ein Währungskursverlust bezahlt wird, können nicht als Werbungskosten bei den Vermietungseinkünften abgezogen werden. (BFH, Urteil vom 12. März 2019, Az. IX R 36/17)

DER FALL
2005 erwarb der Kläger eine Eigentumswohnung und finanzierte sie mit einem Bankkredit. Den Kaufpreis musste er in Euro bezahlen, das Darlehen lautete jedoch auf Schweizer Franken. 2011 schuldete der Wohnungskäufer das Darlehen in Euro um. Da der Wechselkurs stark gestiegen war, erhöhte sich die Restschuld um 35.000 Euro. Das Finanzamt vertrat bei der Einkommensteuerveranlagung die Auffassung, dass die Schuldzinsen für den neuen Kredit nur anteilig als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abzugsfähig sind: Die Schuldzinsen, die mit dem Währungsverlust in Zusammenhang stehen, sind nicht abziehbar. Dagegen wehrte sich der Eigentümer und beantragte, dass alle Schuldzinsen von den Vermietungseinkünften abgezogen werden.

DIE FOLGEN
Die Klage blieb erfolglos. Zahlungen, mit denen Kursverluste bei Fremdwährungsdarlehen ausgeglichen werden, sind nicht als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abziehbar, urteilte der BFH. Das Wechselkursrisiko ist – positiv wie negativ – nicht durch die Vermietung bzw. Verpachtung veranlasst, auch wenn das Darlehen in der Fremdwährung dazu verwendet wurde, die Anschaffung oder Herstellung einer Immobilie zu bezahlen. Der Mehraufwand fällt wie die Tilgung in die – nicht steuerbare – Vermögenssphäre. Ist schon der Fremdwährungskursverlust nicht durch die Vermietung veranlasst, so gilt dies erst recht für die Schuldzinsen zur Finanzierung dieses Verlusts. Es können weder die erhöhten Rückzahlungsbeträge noch die Schuldzinsen, die auf deren Finanzierung entfallen, bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung als Werbungskosten abgezogen werden. Das Umschuldungsdarlehen musste deshalb aufgeteilt werden, wie es das Finanzamt auch getan hatte.

WAS IST ZU TUN?
Will ein Eigentümer Schuldzinsen als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abziehen, kommt es entscheidend darauf an, dass ein Veranlassungszusammenhang besteht zwischen der Bezahlung von Anschaffungskosten und dem Darlehen, das zur Finanzierung dieser Kosten aufgenommen wurde. Bei einem Fremdwährungsdarlehen besteht dieser Zusammenhang grundsätzlich nicht in Bezug auf das Wechselkursrisiko. Dieses wird unter Umständen erst später bei einer Anschlussfinanzierung realisiert. Da in diesen Fällen also kein Zusammenhang zu der Vermietung besteht, müssen die Schuldzinsen aufgeteilt werden in einen abziehbaren und nicht abziehbaren Teil. Die Zinsen, die auf den bei der Umschuldung realisierten Währungsverlust entfallen, dürfen nicht als Werbungskosten abgezogen werden.

(Quelle: Immobilien Zeitung 26.9.2019, Ausgabe 39/2019)